LAND ART – IN DER WÜSTE
Felix Haspel über Land Art in der Wüste
In Europa hat man viele Uhren
In Afrika hat man viel Zeit
(Afrikanisches Sprichwort)
Als Künstler die Wüste zu bereisen bedeutet, sich der Konfrontation mit der lebensfeindlichen Umgebung auszuliefern und mit den unbezwingbaren Elementen in einen Dialog zu treten. In der Wüste kann man sich nicht verstecken, schon gar nicht vor sich selbst. Die Weite und die Unendlichkeit der Wüste wirken auf das kreative Schaffen des Künstlers somit direkt und indirekt zurück. Das innere Erleben künstlerisch auszudrücken liegt nirgendwo näher als hier, denn es ist der Augenblick, der zählt, wenn man einen kreativen Prozess durchlebt. Die Kraft kreativen Schaffens liegt oft im Mut, dem Augenblick die höchste Bedeutung beizumessen. Die Wahrnehmung einer unspektakulären Bodenunebenheit wird bei künstlerischer Sensibilität so zu einer Bruchlinie zwischen Gestern und Heute, zwischen Elementen und Gefühlen. “Es gibt keinen anderen Ort der Welt, an dem die Wahrnehmung so geschärft wird, wie in der Wüste. Sie ist ein zentraler Ort des Künstlers. Hier ist die Heimat des Augenblicks." [Felix Haspel]
Wenn wir einen Stein in die Hand nehmen, tun wir dies wie der Homo Sapiens vor rund 200.000 Jahren. Nur: Wir bringen unser Wissen, unsere Philosophien, unsere kulturellen Prägungen mit. Trotzdem spüren wir noch deutlich, wie uns der Stein verändert, nachdem wir ihn aufgenommen haben. Und die Welt ist nicht mehr die, die sie war, bevor wir der Stein aufgehoben haben. In allen Kulturen ist die Sprache der Zeichen und Symboliken im Dialog mit der Natur entstanden – und in genau jene archaischen Prozesse taucht man ein, wenn man einer so gewaltigen Naturlandschaft gewärtig wird wie der Sahara. Mit den ersten überlieferten Zeichnungen und Ritzungen begann der Mensch, ein kollektives Gedächtnis zu entwickeln – und Künstler beteiligen sich seit Jahrtausenden an dieser Gedächtnisarbeit.
Wenn man als Künstler das erste Mal in die Wüste fährt, sieht man vieles nicht, ist bloß überwältigt von der Größe, der Tiefe des Eindrucks, der Faszination der eigenen Ameisenexistenz, später wagt man allmählich, erste Verbindungen zu knüpfen und sich die Landschaft vorsichtig anzueignen. Von einem Ort/der Landschaft inspiriert, kehrt man immer wieder an den Ort zurück und mit der Zeit erkennt man, dass der vermeintlich statische Ort - an vielen Stellen verändert sich die Wüste kaum erkennbar, an anderen hinterlassen Stürme und Gewitter tiefe Spuren – zur Projektionsfläche künstlerischer Gedanken und Gefühle geworden ist. Inspirationen am Wegesrand, mit denen man nicht rechnen konnte, fordern Auge, Scharfsinn und Empfindsamkeit immer wieder auf’s Neue heraus. Zwischen Künstler und Umgebung entsteht so eine spannungsgeladenen, gleichwohl aber auf Zusammenklang gerichtete Beziehung.
In Europa hat man viele Uhren
In Afrika hat man viel Zeit
(Afrikanisches Sprichwort)
Als Künstler die Wüste zu bereisen bedeutet, sich der Konfrontation mit der lebensfeindlichen Umgebung auszuliefern und mit den unbezwingbaren Elementen in einen Dialog zu treten. In der Wüste kann man sich nicht verstecken, schon gar nicht vor sich selbst. Die Weite und die Unendlichkeit der Wüste wirken auf das kreative Schaffen des Künstlers somit direkt und indirekt zurück. Das innere Erleben künstlerisch auszudrücken liegt nirgendwo näher als hier, denn es ist der Augenblick, der zählt, wenn man einen kreativen Prozess durchlebt. Die Kraft kreativen Schaffens liegt oft im Mut, dem Augenblick die höchste Bedeutung beizumessen. Die Wahrnehmung einer unspektakulären Bodenunebenheit wird bei künstlerischer Sensibilität so zu einer Bruchlinie zwischen Gestern und Heute, zwischen Elementen und Gefühlen. “Es gibt keinen anderen Ort der Welt, an dem die Wahrnehmung so geschärft wird, wie in der Wüste. Sie ist ein zentraler Ort des Künstlers. Hier ist die Heimat des Augenblicks." [Felix Haspel]
Wenn wir einen Stein in die Hand nehmen, tun wir dies wie der Homo Sapiens vor rund 200.000 Jahren. Nur: Wir bringen unser Wissen, unsere Philosophien, unsere kulturellen Prägungen mit. Trotzdem spüren wir noch deutlich, wie uns der Stein verändert, nachdem wir ihn aufgenommen haben. Und die Welt ist nicht mehr die, die sie war, bevor wir der Stein aufgehoben haben. In allen Kulturen ist die Sprache der Zeichen und Symboliken im Dialog mit der Natur entstanden – und in genau jene archaischen Prozesse taucht man ein, wenn man einer so gewaltigen Naturlandschaft gewärtig wird wie der Sahara. Mit den ersten überlieferten Zeichnungen und Ritzungen begann der Mensch, ein kollektives Gedächtnis zu entwickeln – und Künstler beteiligen sich seit Jahrtausenden an dieser Gedächtnisarbeit.
Wenn man als Künstler das erste Mal in die Wüste fährt, sieht man vieles nicht, ist bloß überwältigt von der Größe, der Tiefe des Eindrucks, der Faszination der eigenen Ameisenexistenz, später wagt man allmählich, erste Verbindungen zu knüpfen und sich die Landschaft vorsichtig anzueignen. Von einem Ort/der Landschaft inspiriert, kehrt man immer wieder an den Ort zurück und mit der Zeit erkennt man, dass der vermeintlich statische Ort - an vielen Stellen verändert sich die Wüste kaum erkennbar, an anderen hinterlassen Stürme und Gewitter tiefe Spuren – zur Projektionsfläche künstlerischer Gedanken und Gefühle geworden ist. Inspirationen am Wegesrand, mit denen man nicht rechnen konnte, fordern Auge, Scharfsinn und Empfindsamkeit immer wieder auf’s Neue heraus. Zwischen Künstler und Umgebung entsteht so eine spannungsgeladenen, gleichwohl aber auf Zusammenklang gerichtete Beziehung.
Liberation
Sie ist mächtig, ausladend, edel – und weithin sichtbar. Seit dem Frühsommer 2005 beherrscht sie einen Hügel auf einem tunesischen Weingut, der Domaine Atlas. Die Skulptur mit dem Titel „Liberation“ ist eine in ihrer Gesamtheit 38 Tonnen-Sandstein-Stele von neun Metern Höhe, geschaffen mit Hilfe einer textilen Gussform, ...mehr