Über Felix Haspel
Der akademische Maler, Skulpteur, Aquarellist und Tapisserieweber Felix Haspel lehrte über 25 Jahre im Bereich Textilkunst als Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der Sahara. In mehreren langen Reisen drang er bis in entfernteste Kernzonen der Wüstengebiete Nordafrikas vor. Das Erleben und Erinnern der Töne, Gerüche, Licht- und Farbnuancen der alles bestimmenden Wüste spiegelt sich im gesamten künstlerischen Schaffen des Künstlers wider. Ob Tapisserie, Skulptur, Aquarell oder Landart-Installation, die Thematik der Wüste durchzieht das gesamte Œuvre des Künstlers.
Tapisserie
Felix Haspel ist ein Textilkünstler, der auch Eisen- und Steinskulpturen macht und trotzdem von sich behauptet, Textilkünstler zu sein.
Felix Haspel, inspiriert von seinem damaligen Professor Josef Schulz, einem der Wegbereiter der modernen Tapisserieweberei in Österreich, wandte sich bald nach seiner Aufnahme an der Akademie sehr intensiv der Tapisserieweberei zu. Die Ausstellung moderner französischer Gobelins von Jean Luçart in Wien und die Arbeiten der an der Renaissance der Textil- und Tapisseriekunst beteiligten österreichische Künstler waren für Haspel jene Impulse, die dazu geführt haben, sich selbst auf diese künstlerische Ausdrucksform einzulassen.
Felix Haspel, heute selbst einer der führenden Textilkünstler Österreichs, findet in der Malerei mit Wolle, in ihrer Leuchtkraft mit den Aquarellfarben verwandt, eine künstlerische Sprache, die seinem künstlerischen Ausdruck eine probate Projektionsfläche bietet. Er wusste von Anbeginn an, dass Wolle genau das Material ist, mit dem er vorerst arbeiten wollte.
Für ihn war immer schon klar, dass der Maler als Entwerfender auch gleichzeitig der am Webstuhl Schaffende sein muss, im Unterschied zu den damaligen Textilkünstlern wie etwa Jean Luçart mit der Arbeitsteilung in ihren Manufakturen von Kartonier, von Färbern bis hin zu den Lohn-Webern. Auch „Realisierungswerkstätten“ wie die Manufaktur Prof. Riedls in Mexiko lehnt Haspel vehement ab, denn die Entwürfe der Künstler werden dadurch zwangsläufig verfälscht. Die tatsächliche malerische Arbeit findet erst am Webstuhl statt.
Sein Weben am Webstuhl ist immer Malerei geblieben, eben mit Wolle anstatt mit Pinsel und Farbe. Der Entwurf ist immer nur ein Entwurf für ein im Arbeitsprozess des Webens neu zu entwickelndes Bild am Webstuhl, ein Schaffensprozess, der nicht von irgendjemand anderen übernommen werden kann.
Die Wolle, ein äußerst sensibles Material mit extrem hoher Leuchtkraft, ermöglicht, mit Webfäden, die oftmals aus bis zu zehn verschiedenen, vom Künstler selbst gefärbten dünnen Wollfäden zusammengestellt werden, das Erreichen lebendiger, leuchtender, ja geradezu vibrierender Flächengestaltungen. Diese alte gotische Technik, basierend auf uralten Webtechniken wie etwa der etruskischen Kelimtechnik, wird mit drei bis zehn Fäden pro Zentimeter gewebt und bietet auf Grund der Feinheit des Gewebes und der geradezu unendlichen Anzahl der Mischmöglichkeiten zwischen den Tausenden Farben dem Künstler die Möglichkeit, in virtuoser Weise fast jede denkbare Farbe und Oberfläche zu erreichen.
Trotz der Tatsache, dass Haspel in mehreren unterschiedlichen künstlerischen Techniken seine Projekte realisiert, bleibt die Weberei, neben der skulpturellen, malerischen und grafischen Position seiner Arbeit, bis zum heutigen Tag ein wichtiges Ausdrucksmittel seines künstlerischen Schaffens.
Textile Aspekte spiegeln sich vor allem auch in den Skulpturen Felix Haspels wider.
Skulpturen
Felix Haspel ist ein Skulpteur, der bei seiner Arbeit an Eisen- und Steinskulpturen textile Elemente als Ausdrucksmittel verwendet.
Felix Haspel beschäftigt sich speziell im Bereich der Skulptur mit den Ausformungen innerhalb bestimmter Zwänge, der Auswirkungen von äußeren Zwängen und dem daraus entstehenden Druck und Gegendruck sowie die Folgewirkung dessen auf die innere Entwicklung des Individuums.
Dazu verwendet Felix Haspel Fundstücke und Artefakte des täglichen Lebens in einem neuen Kontext. Die formale Reflexion der beigefügten Artefakte dient dabei dem Künstler als Ausdrucksfeld. Versatzstücke der Zivilisation, die oftmals ihrem einstigen Zweck entwachsen und somit für die Gesellschaft wertlos geworden sind, bergen für den Künstler Felix Haspel neue Möglichkeiten. Gegenstände, die in der normalen Gesellschaft bereits Wegwerfstatus haben, werden aus ihrem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang gelöst. Der Künstler verleiht ihnen durch eine neue Positionierung ein zweites, vielleicht ihr wirkliches Leben.
Rost, Symbol des Vergehens und des ewigen Kreislaufes, der in der heutigen gesellschaftlichen Bewertung fast immer negativ besetzt ist, findet sich als Element und Qualität immer wieder in Haspels Arbeiten.
Mit Hilfe textiler Gussformen in Kombination mit den Fundstücken des täglichen Lebens wird dem Werkstoff (Gussbeton, weißer Zement und Quarzsand) eine bestimmte Formgebung aufgezwungen. Dabei wird gleichzeitig aber genug Freiraum gelassen, so dass der Werkstoff spontan verfließen und formen kann. Diese spontane Selbstformung im Moment des Eingießens der Sandstein-Beton-Mischung in die textile Gussform führt zu einer individuellen, nur durch die zuvor vom Künstler festgelegten Formelemente vorgegebenen Gestalt. Hier ist für den Künstler die Gelegenheit, im Gegenspiel zur Selbstformung aktiv formend einzugreifen.
Lichtobjekte
Für spezielle Ausstattungsobjekte (z.B. Restaurants) konzipiert und fertigt der Künstler Felix Haspel Lichtobjekte an.
Unter Verwendung von Glasfaser-Lichtleiterkabeln, LED Leuchtquellen, Metall, Glas und Kunststoffen werden raum- und objektbezogene Auftragsarbeiten entworfen und hergestellt. Auch hier ist neben dem Licht der textile Aspekt im Vordergrund. Es werden Glasfaser-Lichtleiterkabeln geflochten, erhitztes Glas gefaltet und gebogen und Metallteile ineinander verwoben. Dabei arbeitet der Künstler besonders die textilen Aspekte und Möglichkeiten heraus.
Wie in den Aquarellen fließen hier Elemente, Ebenen und unterschiedliche Materialien unter Einbeziehung des Lichts als verbindende und sichtbare Energie in einem fast landschaftlichen Rhythmus ineinander.
Aquarelle
Der Maler Felix Haspel lässt Farben und Gedanken in einem wechselseitigen Spiel fließen und macht sie so für den Betrachter sichtbar.
Die Aquarelle Felix Haspels sind oft durch seine zahlreichen Reisen in die Wüsten Nordafrikas mit ihren alles überstrahlenden Licht inspiriert.
Bei diesen Arbeiten versucht Felix Haspel, dem Rhythmus und der Melodie der Landschaften nachzuspüren. Die Wüste mit ihren ganz speziellen Farb- und Lichtwirkungen fasziniert und inspiriert ihn gleichermaßen.
Kleinere skizzenhafte Arbeiten entstehen direkt während des Reisens in der Wüste. Größere Arbeiten entstehen im Atelier in Wien. Haspel lässt bei dieser spontanen Maltechnik das innere Empfinden nach außen fließen, wobei der Gedankenfluss oft dem Farbfluss beim Arbeiten am Aquarell sehr nahe ist.
Die Bilder, die der Künstler malt, sind keine Abbildungen tatsächlich vorhandener Landschaften, sondern sind stellvertretende innere Bilder von Landschaften, wie sie existieren könnten oder vielleicht auch irgendwo tatsächlich existieren. Ein Sukkus des bis dahin Erlebten, Erschauten, Erspürten und Erfahrenen.
Bilder, die weniger auf die Geologie der Landschaft als auf die Dramatik, wie sie der Betrachter empfindet, abzielen. Bild-gewordene Gedanken, die der Künstler aus der Wüste mitgebracht hat.
Im Gegensatz zu den anderen Disziplinen des Künstlers – wie der Tapisserie, wo im Entwurf planerisch vorgegangen wird und in der Realisierung mit viel Durchhaltevermögen über Monate hinweg Gedanken manifestiert werden, oder der Skulptur, bei der Spontaneität auch nur in einzelnen Arbeitsphasen möglich ist – ist das Aquarell ein impulsives direktes Arbeiten. Das Unmittelbare zwischen Denken und Tun, zwischen den Erinnerungen und dem Ausdruck, ohne den eigenen korrektiven Einfluss wirken zu lassen, findet seinen Ausdruck in diesen Arbeiten. Hier kann der Künstler mit der Farbe und dem Pinsel eins werden und seinen Gedanken unmittelbar Ausdruck verleihen.
Landart
Es gibt keinen anderen Ort der Welt, an dem die Wahrnehmung so geschärft wird, wie in der Wüste. Sie ist ein zentraler Ort des Künstlers. Hier ist die Heimat des Augenblicks.
Felix Haspel: „Wenn wir einen Stein in die Hand nehmen, tun wir dies wie der Homo Sapiens vor rund 200.000 Jahren. Nur: Wir bringen unser Wissen, unsere Philosophien, unsere kulturellen Prägungen mit. Trotzdem spüren wir noch deutlich, wie uns der Stein verändert, nachdem wir ihn aufgenommen haben. Und die Welt ist nicht mehr die, die sie war, bevor wir der Stein aufgehoben haben. In allen Kulturen ist die Sprache der Zeichen und Symboliken im Dialog mit der Natur entstanden – und in genau jene archaischen Prozesse taucht man ein, wenn man einer so gewaltigen Naturlandschaft gewärtig wird wie zum Beispiel der Sahara. Mit den ersten überlieferten Zeichnungen und Ritzungen begann der Mensch, ein kollektives Gedächtnis zu entwickeln – und Künstler beteiligen sich seit Jahrtausenden an dieser Gedächtnisarbeit.“
Die Wüste zu bereisen bedeutet für Felix Haspel, sich der Konfrontation mit der lebensfeindlichen Umgebung auszuliefern und mit den unbezwingbaren Elementen in einen Dialog zu treten. Die Weite und die Unendlichkeit der Wüste wirken auf das kreative Schaffen des Künstlers somit direkt und indirekt zurück. Das innere Erleben künstlerisch auszudrücken liegt für Haspel nirgendwo näher als hier, denn es ist der Augenblick, der zählt, wenn man einen kreativen Prozess durchlebt. Die Kraft kreativen Schaffens liegt oft im Mut, dem Augenblick die höchste Bedeutung beizumessen. Die Wahrnehmung einer unspektakulären Bodenunebenheit wird bei künstlerischer Sensibilität so zu einer Bruchlinie zwischen Gestern und Heute, zwischen Elementen und Gefühlen. Wenn man als Künstler das erste Mal in die Wüste fährt, sieht man Vieles nicht, ist bloß überwältigt von der Größe, der Tiefe des Eindrucks, der Faszination der eigenen Ameisen-Existenz. Später wagt man allmählich, erste Verbindungen zu knüpfen und sich die Landschaft vorsichtig anzueignen. Die Wüste eignet sich als Projektionsfläche künstlerischer Gedanken und Gefühle. Inspirationen am Wegesrand, mit denen man nicht rechnen konnte, fordern Auge, Scharfsinn und Empfindsamkeit immer wieder erneut heraus. Zwischen Künstler und Umgebung entsteht so eine spannungsgeladene, gleichwohl aber auf Zusammenklang gerichtete Beziehung.
Felix Haspel realisierte zahlreiche Landart-Projekte in den Wüsten Nordafrikas.